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Zukunftspläne

1. Zukunftsmodell „Haus des Kindes – Melsungen“

2. Kinder- und Familienhaus – ein Zukunftsmodell für Kindertagesstätten ?!


Artikel aus der Fachzeitschrift KiTa aktuell, November 2005
Verfasserinnen: Andrea Taylor, Leiterin städtischer Kindergarten Bachfeld
Manuela Fritz, Referat der Gesundheitsökonomie BKK B. Braun, Melsungen AG

 

Zukunftsmodell „Haus des Kindes – Melsungen“

Internationale Vergleichstudien haben dem deutschen Bildungssystem Mittelmäßigkeit und Chancenungerechtigkeit bescheinigt. Keine Gesellschaft, die auf Dauer erfolgreich am internationalen Wettbewerb teilhaben möchte und in der auch Wissenschaft, Kultur und soziale Verantwortung eine wichtige Rolle spielen, kann es sich auf Dauer leisten, das Potential von Kindern unzureichend zu fördern. Hier sind uns andere Länder weit voraus. Sie haben schon vor Jahren erkannt, dass das Bildungsniveau, das soziale Klima, die Erwerbstätigkeit von Frauen in einem engen Zusammenhang zur Wirtschaftskraft des Landes stehen.

Zukunftsperspektiven

Langsam findet auch in Deutschland ein Umdenkungsprozess statt, der die Qualität des Bildungssystems und die Erfolge von Unternehmen in einen Zusammenhang stellt.
Es ist deutlich geworden, dass die Leistungsfähigkeit des einen auch die des anderen beeinflusst, dass z. B. ein intaktes Umfeld für Lebensqualität, Kaufkraft, gut ausgebildete und zufriedene Bürger und Bürgerinnen sorgt. Familienpolitik, Qualität von Bildung und Betreuung sind Tagesthema und eröffnen besonders Kindertagesstätten aber auch anderen sozialen Institutionen Chancen, mit ihren Ideen auf Politik und Wirtschaft zu zu gehen und sich auf lokaler Ebene konstruktiv an der Verbesserung der Rahmenbedingungen zu beteiligen. Es wird noch einige Zeit dauern, bis Wissenschaft, Politik und Praxis sich bundesweit auf einheitliche, verbindliche Qualitätsstandards geeinigt und alle Unternehmen soziale Verantwortung und die Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf in ihrem Unternehmensleitbild verankert haben. Bis dahin wird es nach wie vor auf das Engagement , die Initiative und Überzeugungskraft von Einzelnen oder kleineren Gruppen ankommen. Dass es sich für Kinder, ihre Familien aber auch für die Fachkräfte, die Politik und die Wirtschaft lohnen kann, trotz leerer öffentlicher Kassen initiativ zu werden, zeigt das Projekt „Haus des Kindes“ in Melsungen, einer nordhessischen Kleinstadt mit 15.000 Einwohnern.
Melsungen beteiligt sich seit 2003 mit dem Projekt „Haus des Kindes“ an der bundesweiten bildungs- und familienpolitischen Diskussion und ist seit 2004 Mitglied in der Initiative „Lokale Bündnisse für Familien“ des Ministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Von der Idee zur Umsetzung

Im Februar 2003 wurden die beiden oben genannten Verfasserinnen von Herrn Dietzel, Bürgermeister der Stadt Melsungen und Herrn Braun, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages gebeten, eine Konzeption für ein Haus zu verfassen, das ein optimales Bildungs- und Betreuungsangebot für Kinder von 0 – 12 Jahren bietet und das die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglicht
Aus diesem Auftrag entstand die Konzeption „Haus des Kindes". Die Erfahrungen der Verfasserinnen aus ihren unterschiedlichen Arbeitsfeldern sowie die zukünftigen gesellschaftlichen Anforderungen, die Vorteile einer zukunftsorientierten Familienpolitik, insbesondere die Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Frauen und Männer, finden sich in der Zielsetzung und Angebotsbeschreibung wieder. Den beiden Verfasserinnen war es wichtig optimale Rahmenbedingungen zu beschreiben, obwohl auch ihnen die Klagen über mangelnde Ressourcen bekannt waren.

Die Konzeption beschreibt deshalb ein fiktives Haus mit einem vielseitigen und bedarfsgerechten Dienstleistungsangebot in den Bereichen Erziehung, Bildung, Betreuung und Freizeit für Kinder und Erwachsene. Das Haus ist in das Gemeinwesen eingebunden und kooperiert mit unterschiedlichsten Institutionen, Organisationen und Personen unter anderen aus der Politik, Wirtschaft, Verwaltung, Fachkräften und vor allem mit den Familien. In das Haus integriert ist eine Dienstleistungszentrale als Anlaufstelle für Familien. Es gibt Bildungs- und Betreuungsangebote für Kinder, Angebote für Eltern zur Verbesserung der Erziehungskompetenz, der Widereinstiegsmöglichkeit nach der Elternzeit und zum gegenseitigen Austausch. Um die Beziehungsfähigkeit von Eltern und Kindern zu stärken gibt es Angebote für Eltern und Kinder. Im Haus ist eine Cafeteria als Ort der Begegnung untergebracht. Die vielfältigen und anspruchsvollen Aufgaben werden von fest- und zeitlich begrenzt angestelltem Personal, sowie ehrenamtlich Tätigen bewältigt. Es werden Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mit sozialpädagogischen, betriebswirtschaftlichen, handwerklichen und hauswirtschaftlichen Kompetenzen benötigt.
Die innerhalb weniger Tage fertig gestellte Zukunftsvision gelangte nach Berlin, zum Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und stieß dort auf Interesse, weil das Modell, ähnlich wie die in England erfolgreichen „Early Ecxellence Center“ eine Verbesserung der Bildungs- und Betreuungsqualität sowie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen schien.

Das Ministerium finanzierte eine einjährige Projektstudie mit dem Ziel, die fiktive Konzeption auf seine Übertragbarkeit zu überprüfen. Herr Dr. Seehausen übernahm die Projektberatung, die beiden Verfasserinnen die Projektleitung. Eine Steuerungsgruppe mit Personen aus unterschiedlichen Arbeitsfeldern, plante den Arbeitsprozess und formulierte die Ziele, die in dem Jahr erreicht werden sollten.
Gleich zu Beginn der einjährigen Projektphase entschied die Steuerungsgruppe, einen Weg zu finden, um die Rahmenbedingungen für alle Melsunger Kinder- und Familien zu verbessern und sich nicht nur auf eine Einrichtung zu beschränken. Ziel war es, in den folgenden Wochen möglichst viele Institutionen zu informieren und zu ermutigen ihre Ideen für optimale Angebote für Kinder und Eltern ein zu bringen.
Aufgrund der Diskussion über das Projekt und dem Wunsch vieler Institutionen in Melsungen stadtweit Bildungs- und Betreuungsangebote quantitativ und qualitativ zu verbessern wurde im Dezember 2003 auf der Basis der Zielsetzung und der einzelnen Elemente der Konzeption "Haus des Kindes" der komplexere und schwieriger umzusetzende Anspruch formuliert:
Unter dem Dach "Haus des Kindes" vernetzen sich alle in den Bereichen Erziehung, Bildung, Betreuung und Freizeit tätigen Institutionen, Organisationen und Personen unter Beibehaltung ihrer Eigenständigkeit. Kinder und Familien in Melsungen erhalten wohnortnah bedarfsgerechte und hochwertige Angebote.

Im September 2004 stellten die bisher am Prozess beteiligten 30 Organisationen ihre Zukunftsvisionen und erste Ergebnisse der breiten Öffentlichkeit im Rahmen eines Familiennachmittags und einer Abendveranstaltung vor. Es war das erste mal, dass so viele unterschiedliche Institutionen, z. B. Vereine, Kindergruppen, Kindertagesstätten, Schulen, Elternschule, Tagesmütter/väter, Therapeuten, Gruppen für Kinder mit besonderem Bedarf und Behinderung gemeinsam auftraten und ihren Anspruch zukünftig besonders durch eine stärkere Vernetzung und Kooperation die Qualität und Quantität der Angebote für Kinder und Familien in Melsungen zu verbessern. Höhepunkt der Veranstaltung waren die Redebeiträge von Bundesministerin Renate Schmidt und Ludwig Georg Braun, die aus ihrer Sicht die Bedeutung von nachhaltiger Familienpolitik, besserer Vereinbarkeit von Familie und Beruf, sowie die Steigerung der Bildungsqualität für die jetzige und zukünftige Standortsicherung betonten.
Der eingeschlagene Weg sollte mit dieser Veranstaltung nicht enden, sondern weiterentwickelt werden. Zum Abschluss der einjährigen Projektphase wurden der Prozessverlauf, aufgetretene Schwierigkeiten und eine Empfehlung für die weitere Vorgehensweise und den Aufbau von Strukturen zur Zielerreichung von Projektleitung und Projektbegleitung dokumentiert und allen Akteuren und den politischen Gremien als Diskussionsgrundlage zur Verfügung gestellt.

Verbesserung der Rahmenbedingungen und Finanzierung

Im folgenden wurde auf Initiative von Ludwig Georg Braun und weiterer Bündnisakteure im Februar 2005 die Stiftung „kinder- und familienfreundliches Melsungen“ gegründet. Ziel der Stiftung ist es, in den nächsten drei Jahren ausreichend Stiftungskapital in der Wirtschaft und Melsunger Bevölkerung an zu sammeln um vom Ertrag dauerhaft zusätzlich zum bestehenden Träger finanzierten Angebot innovative kinder- und familienfreundliche Angebote zu finanzieren. Zeitgleich wurde der Förderverein „zukunftsfähiges Melsungen“ gegründet, der sowohl viele Bürger und Bürgerinnen als auch Institutionen, Vereine, Unternehmen, private und öffentliche Träger als dauerhafte Mitglieder gewinnen möchte. Ziel von Stiftung und Förderverein ist es, gemeinsam eine zukunftsorientierte Familien- und Bildungspolitik durch Öffentlichkeitsarbeit und Förderung innovativer Projekte zum Anliegen aller zu machen und die Finanzierung auf eine solide Basis zu stellen.

Erste, für Melsungen innovative Projekte sind schon finanziert:

Die Stelle einer Kinder- und Familienbeauftragten ist dauerhaft eingerichtet worden.
Bei der Flexibilisierung der Öffnungszeiten und Altersmischung in den Kindertagesstätten wurden Fortschritte gemacht.
Engere Kooperationen zwischen Kindertagesstätten, Schulen und Vereinen sind entstanden.
Es gibt regelmäßige Treffen von Experten aus den unterschiedlichen Arbeitsfeldern zum Erfahrungsaustausch.
Die Hortkinder einer Kindertagesstätte erledigen ihre Hausaufgaben nach dem Unterricht in der Schule, begleitet von einer Honorarkraft, und können so Freizeitangebote am Nachmittag nutzen.
Räumlichkeiten von Kindertagesstätten, Kindergruppen werden Dritten zur Verfügung gestellt.
Tagesmütter, Babysitter, Lesepaten, ehrenamtliche Helfer und Helferinnen werden in Melsungen zentral vermittelt.
Ausblick für Kindertagesstätten

Die Bedeutung nachhaltiger Bildungs- und Familienpolitik ist in Melsungen erkannt worden. Das bedeutet für Leiterinnen, Erzieherinnen und Eltern das bestehende Angebot ihrer Kindertagesstätte daraufhin zu überprüfen, ob es sich am tatsächlichem Bedarf der Kinder, ihrer Familien und den wirtschaftlichen und sozialen Gegebenheiten jetzt und in Zukunft orientiert. Teams und Eltern haben die Chance, ihren Bedarf an zusätzlichen Angeboten und die dafür benötigten finanziellen, räumlichen, personellen Ressourcen genau zu beschreiben. Sie haben jetzt die Aussicht, den Vorstand von Förderverein und Stiftung von ihrer Innovationsfähigkeit zu überzeugen und Finanzierungslücken zu schließen.
Außerdem ist es durch den Prozess der stärkeren Vernetzung zukünftig möglich, Angebote kostengünstiger durch Kooperation unterschiedlicher Träger bereit zu stellen. Eltern, Fachkräfte, Vertreter aus Politik und Wirtschaft setzen sich in Arbeitsgruppen mit Themen der Bildungs- und Familienpolitik auseinander, die Ergebnisse der Diskussion werden an Stiftung- und Förderverein weitergeben.

Fazit

Soziale Institutionen, Wirtschaft, Politik und Eltern bewegen sich aufeinander zu., ein Wissens- und Erfahrungstransfer findet statt. Sie sind gleichberechtigte Partner mit unterschiedlichen Kompetenzen in einem Prozess, in dem alle die gleichen Ziele haben. Das wird besonders zum Selbstbewusstsein und der Anerkennung von Leiterinnen und Erzieherinnen beitragen. In Melsungen hat es sich gelohnt, gute Ideen schriftlich zu fixieren, Erkenntnisse zu dokumentieren und an die Öffentlichkeit weiter zu geben.

 

Verfasserinnen: Andrea Taylor, Leiterin städtischer Kindergarten Bachfeld
Manuela Fritz, Referat der Gesundheitsökonomie BKK B. Braun, Melsungen AG

Literatur:
Manuela Fritz, Andrea Taylor
Konzeption „Haus des Kindes – Melsungen“
Melsungen, Februar 2003

Manuela Fritz, Andrea Taylor, Harald Seehausen
Abschlussbericht „Haus des Kindes – Melsungen“
November 2004

 

Kinder- und Familienhaus – ein Zukunftsmodell für Kindertagesstätten ?!

Im Entwurf des Bildungs- und Erziehungsplans für Kinder von 0 – 10 Jahren des hessischen Sozial- und Bildungsministeriums wird die Weiterentwicklung von Kindertageseinrichtungen zu „Nachbarschaftszentren“, „Familienhäusern“, „Kommunikationszentren“ als Zukunftsperspektive und wünschenswerte Weiterentwicklung aufgezeigt. (vergl. Entwurf Bildungs- und Erziehungsplan für Kinder von 0 – 10 Jahren in Hessen des hessischen Sozial- und Bildungsministeriums Seite 103). Dieser vielleicht schnell überlesene Absatz verdient es, näher betrachtet und als Zukunftsmodell für Kindertagesstätten diskutiert zu werden. Seit Pisa wissen wir, dass deutsche Institutionen mit internationalen Vergleichen nur bedingt mithalten können. Andere Nationen sind uns weit voraus und haben frühzeitig damit angefangen, in Bildung, Erziehung und Betreuung zu investieren, Fachkräften einen wissenschaftlich fundierten und praktisch umsetzbaren Rahmen zu geben und Erziehung, Bildung und Betreuung als gesamtgesellschaftliche Verantwortung in das Bewusstsein aller Bürgerinnen und Bürger zu bringen.

Im nachfolgenden möchte ich am Beispiel der Kindertagesstätte in der ich Leiterin bin, darstellen, warum ich aus Sicht einer Leiterin davon überzeugt bin, dass die Weiterentwicklung einer Kindertagesstätte in ein Kinder- und Familienhaus (der von uns gewählte Begriff) eine Antwort auf viele Fragen, die Erzieher/innen aber auch Eltern, Träger, die Politik und die Wirtschaft betreffen, bereit hält.
Im Jahre 2000 führte das Team, eingeteilt in zwei Projektgruppen, eine eintägige Zukunftswerkstatt in Eigenregie ohne Begleitung einer externen Beratung durch. Die zum Abschluss präsentierten Arbeitsergebnisse der beiden Projektgruppen ergänzten sich. Während die eine Gruppe mehr den Schwerpunkt darauf gesetzt hatte, das nicht mehr so attraktive Außengelände in einen naturnahen Spiel- und Lernort mit Angeboten für Kinder und Erwachsene um zu gestalten, hielt es die andere Gruppe für erforderlich, durch eine veränderte Nutzung der Innenräume die Angebotsstruktur auf unterschiedliche Altersgruppen zu erweitern, die Bildungsarbeit zu verbessern und Eltern mehr Raum und Zeit, besonders mit ihren Kindern zur Verfügung zu stellen. Das Team formulierte den Anspruch, Innen- und Außenräume Schritt für Schritt in ein Kinder- und Familienhaus mit Einbeziehung und Unterstützung der Familien, des Trägers, aber auch der politischen Entscheidungsträger und der ortsansässigen Wirtschaft um zu gestalten. Im neuen Jahrtausend wollten wir fit für die Zukunft sein.

Situationsanalyse

Vorausgegangen war eine Situationsanalyse der Stärken und Schwächen unserer bisherigen Arbeit. Fest stand, dass alle Erzieherinnen gerne in ihrem Beruf arbeiteten und über Berufserfahrung verfügten, sich aber mit Blick auf die Zukunft verunsichert fühlten. Dazu kam noch, dass es unterschiedliche Vorstellungen über die pädagogische Arbeit der für die Gruppen verantwortlichen Erzieherinnen gab, was zu Qualitätsunterschieden im Haus und zu zahlreichen Diskussionen innerhalb des Teams und mit den Eltern führte. Urlaub und Krankheit verhinderten die Umsetzung der pädagogischen Planung, weil die zweite Erzieherin z.B. für die Exkursion, für die Kleingruppenarbeit fehlte oder in einer anderen Gruppe Vertretung machen musste. In einer ehrlichen Situationsanalyse kamen die Erzieherinnen zu der Erkenntnis, dass Qualitätsunterschiede und Konkurrenz im eigenen Haus letztendlich allen schadet, besonders den Kindern, dass eine eher an den Defiziten der Kinder und Familien ausgerichtete Bildungs- und Erziehungsarbeit niemand dazu befähigt, mit einer positiven Grundeinstellung Aufgaben konstruktiv und kreativ zu bewältigen.
Das Team war motiviert, neue Wege zugehen und trotz fehlender positiver Vorbilder in der eigenen Berufsbiographie und im näherem Umfeld Antworten auf folgende Fragen finden.

Fragestellungen

Was müssen Tageseinrichtungen für Kinder leisten, wenn sie im Sinne von Kindern, Eltern, des Trägers, der Fachkräfte aber auch von Politik und Wirtschaft zukunftsfähig sein wollen?
Wie kann der gesetzliche Anspruch Kinder durch Erziehung, Bildung und Betreuung in ihrer Entwicklung zu eigenständigen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten zu fördern und Benachteiligungen aus zu gleichen zukünftig besser umgesetzt werden?
Wie kann man mit den Familien besser zum Wohle der Kinder kooperieren und wie muss dann das Leistungsangebot pädagogisch und organisatorisch aussehen?
Wie setzen sich alle Beteiligten zukünftig gemeinsam für positive Lebensbedingungen von Kindern und Familien, sowie für eine kinder- und familienfreundliche Umwelt ein? (vergl. Paragraph 1 und Paragraph 22 des Kinder- und Jugendhilfegesetzes)
Welche Organisationsstrukturen optimieren den Ressourceneinsatz und kann die Qualität der pädagogischen Arbeit trotz knapper Ressourcen gesteigert werden?
Welche persönlichen und fachlichen Kompetenzen benötigen Fachkräfte und Leitungspersonal in Zukunft und wie muss Fort- und Weiterbildung aussehen?
Nach welchen Kriterien werden zukünftig Schwerpunkte aus der Vielzahl der pädagogischen Ansätze aus Wissenschaft und Praxis ausgewählt?
Welche Formen von Öffentlichkeitsarbeit werden eingesetzt und wie können finanzielle, räumliche und personelle Ressourcen erweitert werden?

Ziele zukünftiger Bildungs,- Betreuungs- und Erziehungsarbeit

Auf der Basis der Situationsanalyse und der Fragestellungen war es uns wichtig, zuerst realisierbare optimale Ziele zu formulieren. Wir haben uns von dem Satz: "Das funktioniert ja sowie so nicht!" frei gemacht. So wird auf dem Weg zur Zielerreichung besser definiert, woran es liegt, wenn das Optimale nicht erreicht wird, wer dafür die Verantwortung trägt, ob eine Alternative entwickelt wird, und welche Ressourcen für die endgültige Zielerreichung notwendig sind, sei es Raum, Personal, Wissen, Zeit, Unterstützung von außen, usw. Des weiteren können neue und bestehende Angebote überprüft werden, ob sie tatsächlich der Zielereichung dienen, oder ob sie nur aus Gewohnheit beibehalten werden, viel Energie kosten und wenig bewirken. Die Entwicklung der nachfolgenden Grobziele und die daraus resultierenden Feinziele war zeitintensiv und wurde arbeitsteilig in Einzelarbeit mit Diskussion im gesamten Team in einem Zeitrahmen von 3 Monaten fertig gestellt. Entsprechende Zeiteinheiten wurden im Dienstplan zur Verfügung gestellt. Dieser Arbeitsaufwand hat sich gelohnt, da viele, oft sehr zeitaufwendige Angebote gemessen an der Zielsetzung nicht mehr aufrecht erhalten werden mussten. Ein Beispiel: Alle Eltern fertigten vor Weihnachten in jeder Gruppe ein von der Erzieherin ausgewähltes Geschenk für ihr Kind abends an. Das Geschenk wurde den Kindern unter Ausschluss der Eltern überreicht. Es entstanden eine Menge Überstunden, die Erzieherin investierte zusätzliche Zeit für Eltern, die nicht kommen konnten, vereinbarte Einzeltermine oder legte noch selber Hand an. Außerdem hielt sich auch die Begeisterung der Kinder für die Geschenke in Grenzen. Dieses Angebot war im Sinne unserer gemeinsam erarbeiteten Zielsetzung kontraproduktiv und konnte nun, ohne dass sich eine Erzieherin persönlich angegriffen fühlte, von der Sache her abgeschafft werden. Wenn Gewohntes weggenommen wird, ist es gut, Alternativen zu erarbeiten, denn Erzieherinnen und Eltern haben sich ja daran gewöhnt. Anstelle dessen haben wir z. B. an einem Samstag vor Weihnachten ein Familienfrühstück angeboten, die Familien konnten gemeinsam frühstücken, mit ihren Kindern in den Räumen spielen und dann noch zusammen auf den Weihnachtsmarkt in die Stadt gehen. So waren Familien entlastet, Eltern verbrachten Zeit mit ihren Kindern und anderen Familien und die Erzieherin lernte die Familie besser kennen.

Die Einrichtung wurde im laufe der Jahre von nicht mehr zeitgemäßen angeboten entrümpelt und sinnvolle Alternativen unter Beteiligung der Kinder und Eltern entwickelt. Dieser Prozess wird nie beendet sein, da sich Kinder, Eltern und die Gesellschaft immer wieder verändern. Von daher ist die übergeordnete Zielsetzung als Maßstab zur Bestimmung der konkreten Angebotsstruktur hilfreich.

Ziele

Im nachfolgenden werden einige Ziele benannt, von denen sich die Feinziele mit den entsprechenden Angeboten ableiten.
• Die ganze Familie erfährt in ihrem direkten Umfeld durch bedarfsgerechte und vielfältige Angebote Stärkung, Akzeptanz und Hilfe, besonders bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
• Von der Einrichtung geht Engagement für die Nachbarschaft, die Gemeinde und die Gesellschaft aus.
• Die Einrichtung bringt die Belange von Kindern und Familien in das Blickfeld der Öffentlichkeit.
• Außenstehende Personen erhalten die Möglichkeit, ihr Wissen und ihre Erfahrungen in Bildungsangebote einzubringen. Die Einrichtung nimmt am Wissenstransfer und Erfahrungsaustausch mit unterschiedlichen Interessengruppen teil.
• Die Räumlichkeiten sind flexibel nutzbar. Sie können sowohl von Kindern als auch von Erwachsenen genutzt werden.
• Das Haus verfügt über einen festen Personalstamm mit genau beschriebenen Aufgabenfeldern, kooperiert aber auch für Projekte und Angebote mit externen und ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen.
• Die Mitarbeiter/Innen entwickeln sich persönlich und fachlich weiter und nutzen entsprechende Fort- und Weiterbildungsangebote.
• Qualitätsstandards beschreiben die Abläufe und Verantwortlichkeiten innerhalb des Hauses und sind für alle verbindlich.
• Die Einrichtung ist ein guter Ausbildungsort für Fachkräfte im sozialpädagogischen Bereich, die den Auszubildenden Selbstbewußtsein, theoretisches und praktisches Wissen, Toleranz und Verantwortungsbewußtsein vermittelt.
• Neue Finanzierungswege sind erschlossen und sichern die Qualität der Angebote.

Angebote für Kinder

Das Kind steht im Mittelpunkt unserer Arbeit. Kinder haben aber nur bestmögliche Voraussetzungen, wenn pädagogische Planung und Handeln auf die Familie, das direkte Umfeld, auf die Gegenwart und auf die Zukunft ausgerichtet sind.
In einem unserem Kinder- und Familienhaus wird es selbstverständlich sein, dass sich die Altersstruktur am Bedarf orientiert und es Angebote für Kinder von 0 – 12 Jahren geben kann.
Erste Schritte für uns waren, den Kontakt zu den Kindergruppen her zu stellen, in einem Arbeitskreis für Tagesmütter und Erzieherinnen mit zu arbeiten, Infos von Tagesmüttern aus zu hängen. Für unsere Einrichtung neu angemeldete Kinder laden wir schon zum ersten Kennen lernen kurz nach der Anmeldung ein, das ist oft schon 1 – 2 Jahre vor der eigentlichen Aufnahme. Die Familie bekommt eine verantwortliche Erzieherin zur Seite gestellt, die weitere Termine vereinbart. So gelingt der Übergang besser, Eltern, Kinder und Erzieherin lernen einander kennen und bauen Vertrauen auf. Jüngere Geschwisterkinder der Kindergartenkinder sind gern gesehene Gäste, die in der Bring- und Abholzeit am Spiel teilnehmen, oder in Absprache eine kurze Zeit ohne Eltern dableiben können. Das ist gerade für die Kinder, die ohne Geschwister aufwachsen, eine Bereicherung.

Wenn sich der Bedarf ändert, und mehr Plätze für Kinder unter 3 Jahren benötigt werden, können entsprechende Angebote integriert werden.
Für die Altersgruppe der 3-6 jährigen Kinder wurde die Bildungsarbeit vollkommen neu ausgerichtet. Die eher jahreszeitlich und an Festen sich orientierenden Themen wurden abgelöst von Themen aus dem Lebens- und Interessenbereich der Kinder. Die Themen werden sorgfältig und in Ruhe Schritt für Schritt in Gruppen übergreifend zusammengesetzten altersgleichen Kleingruppen von 8-10 Kindern erarbeitet. Materialien, entstandene Kunstwerke, Fotos werden übersichtlich und ansprechend präsentiert. Sie erwecken auch das Interesse der Kinder, die ein anderes Thema erarbeiten. Die Eltern werden an Aushängen über die Themenarbeit, oft auch mit Hilfe von Fotos, informiert. Wir haben eine Kartei angelegt, in der Eltern ihre Hobbys und ihren Beruf und auch ihre Möglichkeiten der Mithilfe im Kindergartenalltag eintragen können. Jede Erzieherin weiß, wen man ansprechen kann, wenn ein bestimmtes Berufsfeld in das Blickfeld der Kinder gerückt werden soll. Exkursionen an Orte und zu Menschen nehmen einen großen Stellenwert ein. Jedes Kind ist mindestens einmal in der Woche unterwegs. Es gibt eine Gruppe, die verbringt die meiste Zeit des Jahres am Vormittag außerhalb der Einrichtung. Das Interesse der Kinder an ihrem Umfeld ist gewachsen, Zusammenhänge werden besser erkannt, die Kinder erleben sich als Teil ihrer Stadt und setzen sich mit ihrer möglichen Zukunftsgestaltung auseinander.
Die Gruppenräume sind, im Gegensatz zu früher, als jede Erzieherin alles in ihrem Raum haben musste, übersichtlich nach Schwerpunkten eingerichtet. Das Material wird mit Hilfe der Kinder instand gehalten und ausgetauscht. Alle Regale sind beschriftet zur besseren Zuordnung, gerade auch für die Erwachsenen.

Material wird von den Kindern intensiver auf seine Eigenschaften und Verwendungsmöglichkeiten hin untersucht, das Spiel ist ausdauernder, vielfältiger und kreativer geworden, Herausforderungen wird nicht ausgewichen, sondern nach Lösungsmöglichkeiten gesucht. Die Kinder können sich auch an Orten beschäftigen, an denen es kein kommerzielles Spielmaterial gibt, im Wald, auf der Wiese, auf dem Marktplatz.
Die Angebote für die 6 – 10 jährigen Schulkinder legen den Schwerpunkt auf die Freizeit der Kinder. Die Hausaufgaben werden gleich im Anschluss an den Unterricht in der Schule erledigt, begleitet von einer beim Förderverein der Schule angestellten Mitarbeiterin.

Schulkinder können nicht nur für den gesamten Monat, sondern auch für einzelne Tage angemeldet werden. Das ist für halbtags arbeitende Eltern während der Ferienzeit eine große Hilfe.

Angebote für Eltern

Kinder werden best möglichst in ihrer Entwicklung gefördert und Benachteiligungen aufgefangen, wenn alle am Erziehungs- und Bildungsprozess Beteiligten ergänzend zusammenarbeiten und sich Aufgaben teilen.
Erziehungsarbeit ist keine leichte Aufgabe und Eltern sind trotz unzähliger Erziehungsratgeber oft verunsichert und überfordert. Aus dieser Beobachtung heraus nützt es wenig, die Arbeit nur auf das Kind aus zu richten. Kinder und Eltern fühlen sich wohler, wenn die individuelle Lebensgestaltung berücksichtigt, gemeinsam geplant, und Aufgaben geteilt werden. Die Eltern erfahren individuelle Unterstützung, Anerkennung ihrer Leistung und Akzeptanz unterschiedlicher Lebensgestaltung anstatt Bevormundung. Eltern sprechen ehrlicher über Schwierigkeiten und nehmen Hilfe früher an. Eltern erleben es als Erleichterung, wenn sie in ihren nicht immer leichten Bemühungen, Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen, unterstützt werden. Im Gegenzug sind sie trotz knapper Zeit immer wieder bereit, sich für die Einrichtung ein zu setzen und zu engagieren.
Wurden früher Eltern nur zu Gesprächen eingeladen, wenn es Konflikte mit dem Kind gab, so wird jetzt mit allen Eltern zweimal im Jahr ein Elterngespräch geführt. Informationen werden ausgetauscht, Absprachen und Vereinbarungen getroffen. Es gibt aber auch Angebote nur für Eltern, z. B. Workshops mit Themenbereichen rund um Erziehung, von Erzieherinnen oder externen Fachleuten angeboten. Eltern initiieren Angebote selber und bekommen einen Raum zur Verfügung gestellt. Für die Eltern ist es hilfreich, wenn die Kinder zeitgleich in der Einrichtung betreut werden. Wünschenswert wären noch Angebote, die den Widereinstieg in den Beruf oder das Erlernen der deutschen Sprache erleichtern mit zeitgleicher Kinderbetreuung.

Angebote für Eltern und Kinder

Eine unserer wichtigsten Aufgaben sehen wir darin, die Eltern – Kind – Beziehung zu stärken, und Familien in Netzwerke ein zu binden. Diese Aufgabe wird vor dem Hintergrund sich verändernder Familien- und Gesellschaftsstrukturen an Bedeutung gewinnen. Kinder müssen lernen Beziehungen zu knüpfen, aufrecht zu halten und gegeben falls zu lösen und zu verändern.
Oberste Priorität wird bei Veranstaltungen für Eltern und Kinder darauf gelegt, ihnen gemeinsame, ihre Beziehung stärkende Erlebnisse zu ermöglichen und Konsumverhalten entgegen zu wirken. Familien sollen mit einander in´s Gespräch kommen, sich gegenseitig kennen lernen und gegebenenfalls unterstützende Netzwerke aufbauen.

Zusammenarbeit mit anderen Institutionen

Vor dem Hintergrund knapper finanzieller, personeller und räumlicher Ressourcen können wünschenswerte Angebote ohne größere Investitionen in den einzelnen Einrichtungen nicht umgesetzt werden. Es stellt sich außerdem die Frage, muss jeder alles vorhalten, oder gibt es Angebote, die zentral gemacht werden können. In Gesprächen mit anderen Erzieherinnen erfuhren wir, dass hier die gleichen Probleme herrschen, und die Bereitschaft zur Kooperation da ist. Durch Kooperationen mit anderen Institutionen sind z. B. Projektwochen für alle zukünftigen Schulkinder in der Innenstadt entstanden, Ferienprogramme für Schulkinder, Themenelternabende an einem zentralen Ort, Institutionen übergreifende Veranstaltungen für Eltern und Kinder.

Neue Finanzierungswege und Öffentlichkeitsarbeit

Die Angebote von Kindertagessstätten können nicht kostendeckend von Eltern finanziert werden. In den angespannten öffentlichen Haushalten sehen die Träger wenig Spielraum die personelle Ausstattung über die Mindestanforderungen hinaus zu erweitern.
Qualitativ hochwertige Bildungsarbeit braucht gute Rahmenbedingungen. Gute Bildung, Chancengleichheit und die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf stärken die Leistungsfähigkeit und Zufriedenheit einer Gesellschaft. Unser Ziel war es, durch verstärkte Öffentlichkeitsarbeit diese Zusammenhänge unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen, insbesondere auch der Wirtschaft bewusst zu machen.
Gemeinsam mit Eltern sind zahlreiche Veranstaltungen in der Einrichtung und der Innenstadt durchgeführt worden. Gespräche mit ortsansässigen Unternehmern wurden geführt. Durch diese Präsenz in der Öffentlichkeit entwickelte sich ein Dialog mit der Bevölkerung, der Bekanntheitsgrad der Einrichtung steigerte sich und die Bereitschaft sich finanziell an konkreten Projekten zu beteiligen.
Die Umgestaltung des Außengeländes wurde durch ortsansässige Unternehmen und Bürger und Bürgerinnen finanziert. Wenn Rahmenbedingungen sich verbessern sollen, werden Erzieherinnen in der Öffentlichkeit die Bedeutung ihrer Arbeit für Kinder und Familien mit angemessenen Methoden darstellen müssen und Wege finden, besonders auf die Politik und die Wirtschaft zu zu gehen.

Raum

Zweckmäßige, attraktive Innen- und Außenräume sind wertvolles Kapital und vermitteln Besucher einen positiven oder negativen Eindruck auf den ersten Blick. Räume unterstützen oder verhindern gute Bildungs- und Betreuungsarbeit, die Zusammenarbeit mit den Eltern, die Kooperation des Teams und gute Öffentlichkeitsarbeit. Die Anforderungen an Räume haben sich verändert. In Zukunft wird es darauf ankommen, sie so zu gestalten und zu nutzen, dass sie auf die Bedürfnisse unterschiedlicher Altersgruppen ausgerichtet sind, und Raum für Erwachsene bieten. Räume werden nicht mehr nur für ein Angebot bereitgestellt sondern werden doppelt genutzt. Das stellt veränderte Anforderungen an Erzieherinnen, Kinder und externe Nutzer. Erzieherinnen und Kinder wissen, wenn sie den Raum verlassen, wird er von anderen Gruppen noch genutzt. Hier gilt es, Vereinbarungen zu treffen, die das ordentliche Verlassen der Räume garantieren und Kindern die Möglichkeit bieten, trotz Doppelnutzung längere Zeit an Projekten zu arbeiten und etwas stehen zu lassen. Wir haben gute Erfahrung damit gemacht, für jeden Raum eine verantwortliche Erzieherin zu benennen, Regeln für die Raumnutzung auf zu hängen und alle Regale zu beschriften. Alles hat seinen festen Platz. Räume unterscheiden sich in ihren Funktionen. Sie entsprechen den Bedürfnissen der Kinder nach Anregung, selbst gesteuertem lernen, Bewegung, aber auch Ruhe- und Rückzugsmöglichkeiten. Räume entsprechen den Bedürfnissen unterschiedlicher Altersgruppen, und dienen als Begegnungsmöglichkeiten. Zunehmend braucht es aber auch Räumlichkeiten, die von Erwachsenen, sei es dem Personal, Eltern oder anderen Bevölkerungsgruppen genutzt werden. Die Arbeit im Kinder- und Familienhaus zielt auf unterschiedliche Zielgruppen ab und muss dies in der Raumgestaltung berücksichtigen. Räume werden nicht nur während der regulären Öffnungszeiten, sondern auch in den Abendstunden und gegebenenfalls an den Wochenenden genutzt. Gerade bei Rückgang der Belegungszahlen bieten sich hier neue Perspektiven und Einnahmemöglichkeiten. Zukünftig sollen neue Räumlichkeiten Platz bieten für Kommunikationsecken, z. B. in Form einer Cafeteria, mit Technik ausgestattete Besprechungs- und Rückzugsräume für Eltern und Erzieherinnen. Besonderer Wert wird auf einen ansprechenden Eingangsbereich mit der Möglichkeit sich hier über Angebote, Konzeption und interessante Infos für die ganze Familie zu informieren. Die Räumlichkeiten unterstützen die Vernetzung innerhalb der Einrichtung, gewährleisten transparentes Arbeiten.

Personal

Voraussetzung für Innovation ist Selbstbewusstsein, Kritikfähigkeit, Weitsicht und Wissen.
Jede Weiterentwicklung scheitert, wenn die Erzieherinnen von der Notwendigkeit nicht überzeugt und Veränderungen eher Angst als Neugier erzeugen. Die Erweiterung einer Kindertagesstätte in ein Kinder- und Familienhaus bedeutet die Veränderung herkömmlicher Anforderungsprofile und Organisationsstrukturen. Sie erfordert flexibles, transparentes Arbeiten und schnelles Umstellen auf Kinder und Erwachsene. Alle Erzieherinnen müssen sich den gleichen Zielen verpflichtet fühlen, und unterschiedliche Fähigkeiten durch ergänzende Zusammenarbeit best möglichst für optimale Bildung, Betreuung und Erziehung nutzen.
Die Erzieherinnen in Kindertagesstätten verstehen sich immer mehr als Mitarbeiterinnen einer Dienstleistungsinstitution. Sie müssen Methoden wie Marketing, Qualitätsmanagement, Projektmanagement, anwenden können, um die Ressourcen best möglichst aus zu nutzen und die Qualität zu steigern. Hierbei müssen die Erzieherinnen einen oft schwierigen Balanceakt zwischen Bedürfnissen und Rechten der Kinder, den Ansprüchen der Eltern, den zur Verfügung stehenden Ressourcen und unterschiedlichen wissenschaftlichen Ansätzen vollbringen. Das funktioniert nur, wenn Erzieherinnen über eine hohe fachliche Kompetenz verfügen und wenn klare, verbindliche Zielvereinbarungen formuliert werden, die das ganze Team, Teilgruppen und die einzelne Erzieherin betreffen. Es gilt immer wieder, den Standort neu zu bestimmen und mit der Erkenntnis zu leben, sich in einem ständigen, nie enden wollenden Prozess zu befinden. Lebenslanges Lernen ist für Erzieherinnen selbstverständlich, wobei den Bereichen Erwachsenenbildung, Einsatz von Präsentationstechniken, verstärkte Einbeziehung von Technik zur Dokumentation und Darstellung der Arbeit, interdisziplinäre Kooperation mit Personen und Institutionen aus anderen Tätigkeitsfeldern eine immer stärker werdende Bedeutung zukommt. Das beinhaltet auch Lernen von und miteinander; ein Modell, von dem auch die Kinder profitieren. Erzieherinnen sind gefordert, Orte zu finden und mit Personen zu kooperieren, die ihr Wissen und Können an Kinder weitergeben. Hier wird ein wesentlicher Schwerpunkt in der Arbeit der Erzieherinnen liegen, den Kindern lebendige, am echten Leben teilhabende Lernerfahrungen zu ermöglichen.
Grundsätzlich wird die Arbeit in einem Kinder- und Familienhaus vielfältiger und lässt unterschiedliche aber gleichwertige Anforderungsprofile entstehen, die ergänzend zusammen arbeiten. Das stellt gerade an Leiterinnen hohe Anforderungen, koordiniert sie doch diesen Prozess.

Fazit

Die Weiterentwicklung unserer Kindertagesstätte in ein Kinder- und Familienhaus hat sich aus Sicht aller Beteiligten gelohnt. Die Aufgaben für Erzieherinnen sind zwar vielfältiger geworden, sie haben aber einen roten Faden an dem sich die Angebote orientieren. Die Bildungs- und Erziehungsarbeit, auch die der Eltern findet mehr Anerkennung, auch von Seiten der Politik und Wirtschaft hat ein Umdenken stattgefunden. Erste Schritte zur Verbesserung von Rahmenbedingungen sind getan.

 

Literatur
Jürgen Zimmer, Christa Preissing, Thomas Thiel, Anne Heck, Lothar Krappmann
Kindergärten auf dem Prüfstand
Dem Situationsansatz auf der Spur
1997, Kallmeyer`sche Verlagsbuchhandlung GmbH, Seelze – Velber

Ilse Wehrmann (Hrsg.)
Kindergärten und ihre Zukunft
2004 Beltz Verlag Weinheim, Base, Berlin

Jürgen Kluge
Schluss mit der Bildungsmisere
Ein Sanierungskonzept
2003, Campus Verlag Frankfurt/New York

Andreas Scharf, Bernd Schubert
2001 Marketing
Poeschel Verlag Stuttgart

Christa Zeller
2001 Sozial – Sponsoring
Don – Bosco – Verlag München

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